Growth Mindset

Kirsten Wiese

Am Ende der aktuellen Fußball-Bundesliga-Saison 2025/26 hatte Harry Kane als Stürmer-Star des FC Bayern 36 Tore erzielt- mehr als andere Vereine mit dem ganzen Team in der Spielzeit zustande brachten. Zum dritten Mal hintereinander gewinnt er damit die Torjägerkanone der Bundesliga. In anderen Wettbewerben der Saison (Championsleague, DFB-Pokal, Nationalmannschaft usw.) schoss er weitere 29 Tore. Beeindruckend, oder?

Aber was meinst Du, wie oft musste Harry Kane für diese 36 Bundesliga-Treffer tatsächlich aufs Tor schießen? Kleiner Spoiler: Es waren deutlich mehr als 36-mal.

Die Wahrheit ist, wir alle brauchen eine Menge Versuche, bis uns etwas richtig gut gelingt.  Wir dürfen mühsam aus unseren Fehlern und Unvollkommenheiten lernen, bevor es besser und schließlich richtig gut wird. Unsere Erfolge sind letztlich nur die sichtbare Konsequenz zahlreicher vorangegangener Fehlversuche.

Was auf den ersten Blick so deprimierend klingt, nennt man wissenschaftlich „wachstumsorientierte Einstellung“ oder besser: „Growth Mindset“. Es bedeutet so viel wie „immer-wieder-Versuchen“, „nicht-Aufgeben“ und „nach-anderen-Lösungen-Suchen“. Das wiederum ist ziemlich cool. Und der Witz ist: Jedes Kind wird mit dieser Einstellung geboren. Wir lernen laufen, sprechen, selbständig essen und alles andere nur, weil wir es immer wieder probieren. Selbst wenn wir gerade mal wieder auf den Hintern gefallen sind oder alle Erbsen am Boden liegen.

Leider verlieren wir im Laufe des (Schul-)Lebens oft viel von dieser Leichtigkeit, es einfach nochmal zu versuchen. Plötzlich sind da diese Erwartungen, die gestellt werden, die Vergleiche mit anderen und ihren Leistungen und ein unbestimmter Zeitdruck, etwas erreichen zu müssen.

Harry Kane sagt: „Wenn die Zeiten schwierig sind, bleibe im Glauben, arbeite weiterhin hart, und die Dinge werden sich bessern.“ Er muss es wissen. Für seine 36 Tore in der Bundesliga musste er in dieser Saison 119-mal aufs Tor schießen. Damit kommt er auf 83 großartige Fehlversuche. Selbst wenn man die weiteren Wettbewerbe mitrechnet, muss der beste Torschütze der Bundesliga mehr als 3-mal aufs Tor schießen, um einmal zu treffen.

Ich finde, das ist kein Scheitern, sondern eine gute Vorbereitung auf den Erfolg.

Denn wir brauchen Zeit und Mut dranzubleiben, damit es gut wird.